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Hitzesommer im Garten - Praktische Tips wie Ihr Garten Hitze mit weniger Wasser übersteht.

Hitzesommer, Wasserknappheit und brauner Rasen: Mit der richtigen Gießstrategie, Regenwassernutzung, Mulch und klimafitten Gartenideen bleibt Ihr Garten auch bei Trockenheit widerstandsfähig. Im Beitrag von Karin Altendorfer, Biologin und Gartendesignerin, finden Sie praktische Tips dafür.

Garten bewässern bei Hitze: So übersteht Ihr Garten den Hitzesommer mit weniger Wasser

Der Sommer zeigt sich von seiner heißen Seite. Der Rasen wird braun, die Blumen lassen den Kopf hängen. Die Krise für den Hobbygärtner beginnt. Was tun?

 Gleichzeitig steigen die Berichterstattungen in den Medien über Wasserknappheit und die Aufforderungen, Wasser zu sparen häufen sich. Praktisch bedeutet das: Gießeinschränkungen im Garten.

Wie kann ein Gärtnerherz das verkraften? Muss man seinem schönen Garten beim Sterben zusehen?

 Nein. Es gibt tatsächlich Strategien, wie auch mit relativ wenig Wasseraufwand der Garten eine Hitzewelle, wie wir sie in den vergangenen Wochen in Niederösterreich erlebt haben, gut überleben kann.

 1. Richtig gießen bei Hitze: weniger oft, dafür gründlich

 Fehler Nummer 1: Jeden Tag ein bisschen gießen.

 Gießen wir täglich ein paar Minuten, kommt das Wasser nie dort an, wo es eigentlich hin muss - in die tieferen Bodenschichten.

 Das tägliche kurze Gießen befeuchtet nur die oberen Zentimeter, die tiefer liegenden Wurzeln bekommen kein Wasser ab. Oder, schlimmer noch, mit dieser Gießstrategie zwinge ich meine Pflanzen ihre Wurzeln vorwiegend in der oberen Bodenschicht auszubreiten. Diese Schicht ist allerdings dann bei 40 Grad Hitze und Sonnenschein bald knochentrocken, und die Pflanzen leiden, beziehungsweise sind weniger hitzeresistent.

 Besser:

 2x wöchentlich für je eine Stunde gießen, damit werden auch die unteren Bodenschichten gut befeuchtet; ich rege Pflanzen an, ihre Wurzeln in den tieferen Schichten vermehrt zu entwickeln.

 Fehler Nummer 2: Gießen zur falschen Tageszeit

 Bei Hitze und Wind verdunsten Wassertröpfchen meist schon, bevor sie noch den Boden berühren. Das verschwendet leider hochwertiges Trinkwasser.

 Besser:

 Gerade in Hitzeperioden ist es besonders wichtig spät abends oder früh morgens zu gießen. Damit stelle ich sicher, dass die Verdunstung gering ist und jeder ausgebrachte Wassertropfen auch da ankommt, wo er benötigt wird - im Wurzelbereich der Pflanzen.

 Fehler Nummer 3: Das Gießen der Pflanze und nicht der Wurzel

 Rasensprenger sind großartig für Rasenflächen. Allerdings nicht besonders gut geeignet für Beet Bepflanzungen, wie Sträucher und Stauden. Werden diese Pflanzen von oben besprüht, kommt zum einen wenig Wasser im Wurzelbereich der Pflanzen an, andererseits fördere ich mit dieser Methode Pilzwachstum an Blättern.

 Besser:

Systeme bevorzugen, die den Wurzelbereich gießen, wie z.B. Tropfschläuche.

 Fehler Nummer 4: Offene Erdflächen

 Offene Erdflächen kann man nicht verhindern - vor allem nicht, wenn der Garten neu bepflanzt wurde. Leider ist die Verdunstung bei diesen Erdflächen besonders groß.

 Besser:

 Mulchen. Egal für welche Art des Mulches Sie sich entschieden haben, jeder Mulch ist besser als kein Mulch. In Frage kommen dabei Rasenschnitt, Laub, Rindenmulch, Holzfaser und auch jede Art von Kies. Da sind den persönlichen Vorlieben keine Grenzen gesetzt.

Mit einer 5 cm hohen Mulchschicht bleibt der Boden auch bei einer länger anhaltenden Hitze schön feucht.

 2. Regenwasser nutzen und Flächen entsiegeln

 Jeder Tropfen Regen, der vom Himmel fällt, ist wertvoll. Anstatt ihn ungenutzt in den Kanal zu leiten, holen wir ihn lieber wieder zurück in den Kreislauf.

 Was kann ich für einfache Maßnahmen in meinem Garten setzen?

 Regenwasser sammeln: Nutzen Sie große Regentonnen oder unterirdische Zisternen. Ein Regendieb am Fallrohr der Dachrinne fängt das Wasser automatisch auf. Damit wird nicht nur eine Gießreserve geschaffen, sondern auch - im Falle von Starkregenereignissen - eine Überlastung von Drainagekanälen verhindert, da ein großer Teil der Wassermasse umgeleitet wird.

Diffusionsoffene Flächen: Versiegelte Höfe und Betonflächen, Autoabstellplätze heizen die Umgebung auf und lassen kein Wasser durch. Oberflächenwasser wird in den Kanal geleitet und die eigene Umgebung trocknet immer mehr aus. Abhilfe schaffen in diesen Fällen diffusionsoffene Beläge, wie Kies, Rasengittersteine oder fugenoffenes Pflaster. Das Regenwasser hat die Möglichkeit direkt im Boden zu versickern, speist damit das Grundwasser und kühlt die Luft durch natürliche Verdunstung.

 3. Rasen im Hitzesommer: warum weniger Bewässerung oft besser ist

 Braune Rasenflächen wirken tatsächlich trostlos. Und ja, auch ich blicke viel lieber auf einen satten grünen Garten. Dennoch ist es mir wirklich ein Anliegen, Sie zu ermutigen auf die Bewässerung von Rasenflächen zu verzichten. Ich weiß, jetzt blutet wieder so manches Gärtnerherz. Allerdings darf man nicht vergessen, dass selbst die schlimmste verbrannte Wiese nach einer Woche Regen wieder saftig grün ist. Rasen hat eine unglaublich hohe Regenerationsfähigkeit - vertrauen Sie darauf.

Auch hat die Schnitthöhe einen entscheidenden Einfluss darauf, wie schnell der Rasen braun wird. Schneidet man den Rasen zu kurz, erhöht sich die Temperatur und der Rasen verbrennt. Lässt man den Rasen einige Zentimeter höher stehen, dann verringert sich die Oberflächentemperatur signifikant und der Rasen bleibt, auch bei Hitze und Trockenheit, länger ansehnlich.

 Noch einen kleinen Denkanstoß - vielleicht ist auch eine große Rasenfläche gar nicht mehr sinnvoll in Zeiten wie diesen. Möglicherweise ist es an der Zeit auch den Privatgarten zukunftssicher und klimatauglicher zu gestalten. Wie wäre es mit weiteren Bäumen am Grundstück? Auch einen Teil der Rasenfläche in eine Wiese umzuwandeln, hilft sowohl Mensch als auch Natur.  Der Zeitaufwand der Rasenpflege wird minimiert, Insekten und Kleinlebewesen profitieren.

 Um auf jeden Fall einen kühlen Schattenplatz mit natürlicher, kühlender Verdunstung in der Zukunft genießen zu können, muss man heute aktiv werden.

 4. Klimafitte Gärten brauchen Mut zur Veränderung - und die richtigen Anreize

 Wenn wir wollen, dass Gärten auch in Zukunft kühl, grün und lebendig bleiben, reicht es nicht, nur über Wassersparen zu reden. Dann müssen wir die Voraussetzungen schaffen, damit klimafittes Handeln einfach, leistbar und attraktiv wird. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit klaren Anreizen und weniger Hürden.

Bürokratie abbauen: Wer Regenwasser speichern, Einfahrten entsiegeln oder große Zisternen errichten will, soll nicht zuerst an Formularen scheitern. Klimaanpassung beginnt dort, wo gute Lösungen schnell umgesetzt werden können.

Gezielt fördern statt breit verteilen: Unterstützung muss dort ankommen, wo sie wirklich etwas bewirkt: bei Regenwassernutzung, moderner Bewässerungstechnik, Regensensoren, Bodenverbesserung und entsiegelten Flächen.

Eigenverantwortung ernst nehmen: Viele Menschen sind bereit, ihren Garten nachhaltiger zu gestalten. Was sie brauchen, sind verständliche Informationen, verlässliche Rahmenbedingungen und das Vertrauen, selbst gute Entscheidungen treffen zu können.

Ein grüner, kühler Garten im Sommer ist kein Luxusproblem. Er ist Teil der Antwort auf heißere Sommer, versiegelte Böden und knapper werdende Wasserressourcen.

 Wer heute Bäume pflanzt, Regenwasser sammelt und Flächen entsiegelt, sorgt nicht nur für den eigenen Garten vor - sondern für lebenswertere Orte insgesamt. Genau deshalb sollten wir es nicht komplizierter machen, klimafitt zu handeln. Wir sollten es leichter machen.

 Karin Altendorfer

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