Schwarmspeicher: Der unterschätzte Hebel für die Energiewende
Die Energiewende braucht nicht nur mehr Erzeugung, sondern auch mehr Flexibilität.
Schwarmspeicher zeigen, wie dezentrale Speicherlösungen Netze entlasten und den Ausbau erneuerbarer Energie vor Ort unterstützen können. Warum wir NEOS das Thema als für Perchtoldsdorf relevant erachten, steht im Blogbeitrag von Sabine Schober.

Dieser Beitrag versteht sich als energiepolitischer Denkanstoß von uns NEOS. Er zeigt auf, warum Schwarmspeicher aus unserer Sicht ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale, effiziente und bürgernahe Energieversorgung sind und welche politischen Rahmenbedingungen dafür jetzt geschaffen werden müssen.
Österreich befindet sich mitten in der Energiewende. Mit dem Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und anderen erneuerbaren Energieträgern wächst auch der Bedarf an flexiblen Speichersystemen. NEOS vertreten die Position, dass Schwarmspeicher hier ein vielversprechender Ansatz sind: Sie können bestehende Netze effizienter nutzbar machen, erneuerbare Energie lokal zwischenspeichern und zusätzliche Kapazitäten ohne unmittelbaren Einsatz öffentlicher Mittel erschließen. In Niederösterreich wird dieses Modell im EVN-Netz bereits praktisch erprobt und schrittweise ausgebaut. In Perchtoldsdorf, wird das Stromnetz allerdings fast ausschließlich von den Wiener Netzen betrieben. Die Wiener Netze sind noch in der Evaluierungsphase und somit müssen wir uns im Ort wohl odr übel noch ein wenig in Geduld üben.
Aus Sicht der NEOS zeigt das Beispiel Schwarmspeicher, dass die Energiewende nicht nur eine Frage neuer Erzeugungskapazitäten ist, sondern auch eine Frage der intelligenten Nutzung bestehender Infrastruktur. Gerade in Regionen mit starkem Photovoltaik-Ausbau wie Perchtoldsdorf können dezentrale Speicherlösungen dazu beitragen, Netze zu entlasten, lokale Wertschöpfung zu stärken und den Umstieg auf erneuerbare Energie praktikabler zu machen. Damit sich solche Modelle rasch in der Breite durchsetzen, braucht es jetzt die richtigen politischen und regulatorischen Voraussetzungen.
Wie Schwarmspeicher wirken
Schwarmspeicher bestehen aus vielen dezentralen Batteriespeichern, die digital zu einem gemeinsamen System vernetzt sind. Sie nehmen überschüssigen Strom dort auf, wo er erzeugt wird, und stellen ihn zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereit. So lassen sich Lastspitzen abfedern und bestehende Netzkapazitäten effizienter nutzen. Für Gemeinden, Betriebe und Haushalte kann das bedeuten, dass zusätzliche Photovoltaik-Leistung angeschlossen werden kann, ohne dass sofort kostenintensive Netzausbauten notwendig werden. Zugleich stärkt lokale Speicherung die Versorgungssicherheit und kann bei entsprechender technischer Auslegung auch einen Beitrag zur Notstromversorgung leisten.
Auch für Gemeinden und Regionen ist das Thema von wachsender Bedeutung. Werden Speicher in der Nähe bestehender Netzzugangspunkte oder Trafostationen errichtet, eröffnen sich zusätzliche Spielräume für den Ausbau erneuerbarer Energie. Nach Angaben von electrify smart energy wurden in Niederösterreich bereits in zahlreichen Gemeinden potenzielle Standorte identifiziert. Gleichzeitig können kommunale Flächen, die für Speicherprojekte genutzt werden, zusätzliche Einnahmen durch Verpachtung ermöglichen.
Wo der Ausbau bereits sichtbar wird
In Niederösterreich wird das Konzept bereits sichtbar umgesetzt. Laut öffentlich verfügbaren Angaben von electrify smart energy sind derzeit rund 1.530 Telekom-Standorte in einen Schwarmspeicher eingebunden. Die aktuelle Leistung wird mit 5,6 MW, die Kapazität mit 22 MWh angegeben. Für 2026 ist ein weiterer Roll-out mit rund 5.000 zusätzlichen Standorten geplant, wodurch die Kapazität auf bis zu 70 MWh steigen soll. Parallel dazu entsteht in Wiener Neudorf gemeinsam mit ecoplus der erste Gewerbe-Schwarmspeicher Österreichs mit zunächst zehn Batteriespeichern an drei Standorten und einer Gesamtkapazität von 2,2 MWh.
Der zusätzliche Speicherbedarf ist dabei erheblich. In Niederösterreich gibt es nach Angaben des Landes bereits rund 40.000 Stromspeicher mit einer Gesamtkapazität von 575.000 kWh. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Strombedarf in Österreich bis 2030 um etwa ein Viertel steigen könnte. Die Energie- und Umweltagentur Niederösterreich rechnet deshalb bis 2030 mit einem Speicherbedarf von rund 1,7 GWh im Bundesland. Schwarmspeicher werden in diesem Zusammenhang als ergänzende Lösung gesehen, um Netzengpässe zu reduzieren und erneuerbare Erzeugung besser in das Energiesystem zu integrieren.
Welche Rahmenbedingungen jetzt entscheidend sind
Damit Schwarmspeicher ihr Potenzial tatsächlich entfalten können, braucht es passende regulatorische Rahmenbedingungen. Dazu zählen klare Vorgaben dafür, wann Speicher als systemdienlich gelten, ebenso wie einfache und rasch umsetzbare Verfahren. Auch die Frage der Netzgebühren ist zentral, denn wirtschaftlich skalieren lassen sich solche Modelle nur dann, wenn Doppelbelastungen vermieden werden. Entscheidend wird darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Betrieben und Energieakteuren vor Ort sein, um geeignete Standorte zu identifizieren und Projekte zügig umzusetzen. Wir werden in Perchtoldsdorf unseren Beitrag dazu leisten.
Für NEOS sind Schwarmspeicher ein Beispiel dafür, wie moderne Energiepolitik gestaltet werden sollte: innovationsorientiert, dezentral, effizient und klimafit. Wir plädieren daher dafür, die regulatorischen und politischen Voraussetzungen rasch weiterzuentwickeln, damit solche Lösungen im Land breiter wirksam werden können.



