Was wir NEOS mit "klimafittem bauen" erreichen wollen.
Hitzesommer, Starkregen, lange Trockenphasen: Auch Perchtoldsdorf spürt den Klimawandel. Mit der 13. Änderung des Bebauungsplans können wir gegensteuern und die Lebensqualität im Ort schützen. Dabei gilt für uns: Wirkung vor Symbolik.

Es wird heißer – und der Boden wird knapp
2023 war es in Niederösterreich rund 2,5 °C wärmer als im Mittel der Jahre 1971–2000. Damals gab es im Landesschnitt vier Hitzetage pro Jahr. Bis 2050 rechnen die Klimaszenarien des Landes mit etwa zehn. Gleichzeitig verbraucht Österreich jeden Tag 6,5 Hektar Boden. Rund die Hälfte davon wird versiegelt.
Was wirklich kühlt
Versiegelte Flächen heizen sich auf – vor allem Straßen und Parkplätze. Außerdem leiten sie den Regen oft in den Kanal, statt dass er im Boden versickert.
Studien aus ganz Europa zeigen, worauf es ankommt: An sonnigen Sommertagen ist Rasen etwa 10 °C kühler als Asphalt. Asphalt im Baumschatten ist sogar 15–20 °C kühler. Die Luft im Schatten kühlt zwar nur um 1–2 °C ab, die gefühlte Temperatur sinkt aber meist um 10–15 °C. Der Effekt beruht darauf, dass die Strahlungswärme von den Blättern zum Teil absorbiert wird. Wie stark die gefühlte Abkühlung ist, hängt auch von der Tageszeit und Bodenfeuchte ab. Das Bild ist trotzdem eindeutig: Unversiegelter Boden kühlt die Flächen und speichert Wasser. Bäume kühlen die Menschen. Am besten wirken Baumschatten und Rasen zusammen. Beides ist günstiger und wirksamer als aufwendige Technik am Gebäude.
Was wir für den Bebauungsplan vorschlagen
• Freiflächen müssen grün sein: Schon heute muss auf jedem Grundstück im Bauland ein Teil frei bleiben, meist ein Fünftel. Wie diese Freifläche aussieht, ist aber nicht geregelt – auch ein Schottergarten zählt. Wir wollen, dass Freiflächen unversiegelt und klimafit bepflanzt sind.
• Mindestbestand an Bäumen: Auf dem Teil des Grundstücks, der nicht bebaut werden darf, muss je nach Größe eine bestimmte Zahl an Bäumen stehen – ortstypisch und schattenspendend.
• Regenwasser bleibt am Grundstück: Wie viel Regenwasser in den Kanal fließen darf, ist schon heute geregelt. Diesen Anteil wollen wir weiter senken, wo es möglich ist.
• Alle Stellplätze im Freien versickerungsoffen: Regen soll dort im Boden versickern können. Heute gilt das nur für die ersten fünf Stellplätze. Künftig, so schlagen wir vor, soll es für alle oberirdischen Stellplätze ohne Dach gelten.
• Gründach: Größere Flachdächer, etwa auf Wohnhausanlagen, sollen begrünt werden.
Wichtig dabei: das alles ist für Neu- oder Umbauten vorgesehen. Niemand muss befürchten, „im Bestand“ nachrüsten zu müssen. Das alles ist kein Neuland: Wiener Neudorf verlangt, dass neue Flachdächer ab 200 m² zu 75 % begrünt werden – ausdrücklich kombinierbar mit Photovoltaik. In Lanzendorf richtet sich die Zahl der Bäume, die gepflanzt werden müssen, nach der versiegelten Fläche. Und seit der jüngsten Novelle erlaubt das NÖ Raumordnungsgesetz Klimaanpassung im Bebauungsplan ausdrücklich.
Was wir nicht wollen
Nicht alles, was gut gemeint ist, hilft dem Klima. Eine Pflicht zur Fassadenbegrünung lehnen wir ab: Aufwendige Systeme sind teuer und können Dämmfassaden beschädigen.
Regenwasserzisternen kosten viel, sind in Trockenperioden aber nach wenigen Gießgängen leer. Sicher ist es sinnvoll, Regenwasser für die Bewässerung zu sammeln. Aber das soll jede/r für sich entscheiden.
Auch einen Baumschutz mit Pflicht zur Ersatzpflanzung wie in Wien wollen wir nicht. Er bestraft gerade jene, die alte Bäume haben, und hält davon ab, neue zu pflanzen. Besser ist ein vorgeschriebener Mindestbestand an Bäumen.
Die Gemeinde muss vorangehen
Neue Regeln für Private werden nur akzeptiert, wenn die Gemeinde selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Neue öffentliche Parkplätze sollen deshalb unversiegelt und beschattet sein – am besten nach dem Schwammstadt-Prinzip: Ein tragfähiges Substrat unter dem Belag gibt den Bäumen Platz für ihre Wurzeln und speichert Regenwasser.
Klimafit bauen heißt auch: zuerst den Bestand nutzen. Jedes leerstehende Haus, das wieder bewohnt wird, ist ein Neubau weniger auf der grünen Wiese. Deshalb wollen wir erheben, wie viele Häuser leer stehen, und Besitzer älterer Einfamilienhäuser beim Umbau beraten. Dazu kommen eine Gartenberatung bei Neubauten, Vorträge über klimafitte Gärten und dauerhafte statt wechselnder Bepflanzung in öffentlichen Beeten.
Unser Ziel
Wir wollen wenige Regeln – aber solche, die tatsächlich etwas bewirken. Sie müssen für Bauwerber verständlich und leistbar sein. Daran wollen wir uns messen lassen.
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