Was meinen wir NEOS mit "klimafit bauen"?
Ortskernbelebung und Unternehmertum – passt das zusammen?
Ist es möglich, Wohnen, Arbeiten, Kultur und soziale Angebote unter einen Hut zu bringen? In Melk läuft gerade ein spannendes Projekt, bei dem Ortskernbelebung, nachhaltige wirtschaftliche Nutzung und Bürgerbeteiligung und sparsamer Umgang mit Flächen gemeinsam gedacht werden.
Von Sabine Schober

Reisen bildet – auch wenn man gar nicht weit von zu Hause weg muss, um über den Tellerrand zu schauen! Gemeinsam mit interessierten NEOS-Kolleg:innen habe ich die Gelegenheit genutzt, mich bei einer vom NEOSLAB organisierten Fortbildung zum Thema „Nachhaltige Raumordnung“ weiterzubilden. Zugegeben: Raumordnung, Flächenwidmung, Bodenschutz und Entsiegelung sind nicht unbedingt die Themen, bei denen die Menschen vor Begeisterung auf die Tische springen. Eher verbindet man damit lange Sitzungen, schwierig lesbare Studien und gelegentlich müde Augenlider. Ähnlich wie beim Budget oder bei den Gemeindefinanzen generell gilt aber: Nicht sexy, dafür verdammt wichtig! Denn was wir heute entscheiden, prägt unsere Gemeinde für Jahrzehnte. Und genau deshalb ist das ein NEOS-Thema: Wie gestalten wir unsere Gemeinde besser, lebenswerter und fit für die Zukunft?
Viel Stoff zum Nachdenken darüber, was sich besser machen lässt als bisher bot das beeindruckende Praxisbeispiel aus Melk.
Dabei zeigen der visionäre Unternehmer Lukas Fürst und die Stadt Melk, wie Ortskernentwicklung, Gemeinwohl und wirtschaftlich vernünftiges Handeln zusammengehen können. Und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern ganz konkret am innenstadtnahen ehemaligen Areal der Tischlerei Fürst zwischen dem Fachmarktzentrum Löwenpark und der Melker Altstadt mit ihrer Fußgängerzone. Die Stadt plant, diesen Bereich als Boulevard grüner, flanierfreundlicher und attraktiver zu gestalten. Das ehemalige Tischlerei-Areal wird zu einem vielseitig genutzten, nachhaltig gebauten und energieeffizienten Quartier umgewandelt.
Wohnen, arbeiten, einkaufen, essen gehen, Kultur erleben und soziale Angebote nutzen – alles an einem Ort. Dafür wird das bestehende Areal weiterentwickelt, statt neue Flächen zu versiegeln. Genau so schaut durchdachte Ortskernentwicklung aus! Das Finanzierungskonzept steht; ermöglicht wird es durch unternehmerische Initiative und einen Mix aus Förderungen von der lokalen Ebene bis zur EU. Entwickelt wurde das Projekt unter maßgeblicher Beteiligung der Bürger:innen. Der Weg war und ist lang und war nicht immer einfach. Er verlangt allen Beteiligten viel Zeit, Geduld und Engagement ab.
Mein persönliches Highlight ist die Weiternutzung der alten Tischlerei. Bis zur Realisierung des Projekts werden die vorhandenen Gebäude weiter genutzt, statt sie einfach abzureißen. Ressourcen schonen heißt schließlich auch, wiederzuverwenden, was schon da ist. Bereits heute beherbergt die Tischlerei lokale und überregional bedeutsame Initiativen, die auch im künftigen Projekt ihren Platz haben sollen:
o die Kulturwerkstatt
o den KIKO – Kinderkosmos Handwerk Melk
o die Dream Factory, ein Hostel
o einen Co-Working-Space
o das FamilienQuartier mit Angeboten von Yogakursen und Mediation bis hin zu Kindergeburtstagen
So entsteht ein Ort, an dem gearbeitet, gelernt, kreativ gestaltet, Kultur gelebt und Gemeinschaft ermöglicht wird. Auch wenn der Putz da und dort schon etwas bröckelt. Das ist Leerstandsmanagement, das diesen Namen verdient – und Nachhaltigkeit, die mehr ist als ein hübsches Schlagwort in einem Wahlprogramm. Mehr dazu gibt's unter www.unseretischlerei.at .
Ich muss sagen, ich bin beeindruckt vom Engagement eines Unternehmers und Grundeigentümers, der nicht nur auf seinen wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch auf seine Stadt schaut. Und vom Mut der Stadt Melk, eine solche Entwicklung gemeinsam mit den Menschen vor Ort anzupacken. Und jetzt die Frage, die ich mir dabei stelle: Geht so etwas auch bei uns in Perchtoldsdorf? Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir könnten durchaus ein paar gute Ideen „abschauen“, auf unsere Gemeinde anpassen und den Mut haben, sie auch umzusetzen. Ortskernbelebung passiert nicht von allein.
Dr. Sabine Schober vertritt NEOS im Gemeinderat. Beruflich verfügt sie als Geschäftsführerin einer auf Standortberatung und Ortsentwicklung spezialisierten Beratungsfirma über langjährige praktische Erfahrung in diesem Bereich.


