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Über das Stockerauer Verkehrskonzept

09.12.2014 Martin Fischer

Vor Kurzem wurde das Stockerauer Verkehrskonzept in seinen Grundideen der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das Konzept klingt in vielen Teilen vernünftig und diskutabel – Ableitung des Durchzugsverkehrs von Norden über eine „Spange Ost“ direkt zur Autobahn, Beruhigung der Innenstadt mit Begegnungszonen und darauf aufbauend endlich die lang ersehnte Wiederbelebung der Stockerauer Innenstadt.

Das Konzept klingt auch vertraut – stammen seine Kernelemente doch aus den Vorarbeiten der Teilgruppe Verkehr der (heuer auslaufenden) Stockerauer Stadterneuerung. Jedenfalls das Geld für die Planungsbüros hätten wir uns schon sparen können.

Dass die Feinplanung aber wohl auf veralteten ideologischen Grundsätzen des letzten Jahrhunderts beruhen wird, zeigte die nachfolgende Diskussion: Auf die Frage nach Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung war die spontane Antwort, „da muss eine Ampel her“. – Lärm- und abgasgeplagte Bürgerinnen und Bürger werden sich freuen.

Dennoch, aus diesem Verkehrskonzept könnte – unter umfangreicherer Einbindung der Betroffenen, nämlich der Bürgerinnen und Bürger – etwas werden. Scheitern könnte die Umsetzung aber daran, dass die Stadt gemeinsam mit der gemeindeeigenen Kommunalen Immobiliengesellschaft (KIG) den finanziellen Spielraum für die Zukunft, und damit auch für die Umsetzung des Verkehrskonzeptes – der Eindruck drängt sich auf: sehenden Auges – gefährdet: Allein der beabsichtigte Zuschuss in Höhe von bis zu EUR 13 Mio an die KIG könnte leicht die Ostumfahrung („Spange Ost“) und damit den Schutz der Bevölkerung in der Wiesener Siedlung und die Maßnahmen im Ortszentrum finanzieren…

Nicht zuletzt deshalb fordern wir eine transparente, und insbesondere ergebnisoffene Diskussion der Sanierung der Gemeindefinanzen, einschließlich der Option einer Reorganisation und auch Reduktion der KIG. Die 2008 geäußerte Absicht, die Verwaltung der Gemeindeimmobilien auf eine professionelle Grundlage zu stellen, muss als gescheitert angesehen werden; man hat es bis heute verabsäumt, Management und Kontrolle auf politisch unabhängige Personen auszurichten, die nicht auf die Politik und ihre Wahlzyklen Rücksicht nehmen müssen.

  • nemo

    Ob eine Begegnungszone der Weisheit letzter Schluss ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Das Nichtvorhandensein von Problemen heißt noch lange nicht, dass der gewünschte Effekt nach einer Frequenzbelebung und Geschäftsbelebung auch tatsächlich eintritt. Ich behaupte auch, das Ausbleiben von Konflikten zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern in Begegnungszonen ist darauf zurückzuführen, dass die Fußgängerfrequenz ausbleibt. Oder glaubt irgendjemand ernsthaft, dass z. B. das G3 funktionieren würde, wenn die Autos durch die Mall fahren? Ich glaube, da muss man sich schon entscheiden.