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Stockerau beleben – Betriebe ansiedeln, aber mit Hirn

Richtig und vernünftig ist, dass diskutiert wird, die Ansiedelung von Betrieben bei Stockerau Nord zu fördern, um „Geld“ in die Gemeindekasse zu spülen. Dies ist aber zweischneidig: Eine Ansiedelung von Betrieben im Norden bewirkt keine Belebung der Innenstadt, da Angestellte nicht in das Zentrum pendeln, um dort einzukaufen – dafür ist die Infrastruktur nicht vorhanden, oder, provokant gefragt, sollen sie per Autostopp ins Zentrum gelangen? Die Ansiedelung im Norden belebt daher nicht die Innenstadt; diese bedarf aber dringend einer Belebung durch Ansiedelung kleiner innovativer Unternehmen oder der Belebung durch Angestellte, die Ihre Einkäufe und Erledigungen dort unbürokratisch und schnell erledigen können.

Für die Ansiedelung „innovativer“ Unternehmen ist auch die Infrastruktur nicht vorhanden; diese zu schaffen wurde in den letzten Jahren einfach verabsäumt. Was soll ein Unternehmen reizen, sich im Norden anzusiedeln, außer vielleicht günstige Preise, wenn es dort nichts vorfindet, außer vielleicht den Anschluss an die Autobahn? Praktisch gesprochen: Wie sollen sich die Angestellten versorgen, wenn es nicht einmal einen Lebensmittelhändler dort gibt, der sie mit dem Notwendigsten versorgt – klingt banal, aber ist so.

Hinzu kommt noch, dass es von Seiten des Stadtmarketings, konkret des Vereins Wirtschaft Stockerau (WISTO) auch keine Unterstützung gibt – die WISTO wartet auf den neuen Geschäftsführer, der wohl  „alles richten soll“. Aber was soll er richten, wenn es kein Konzept gibt, an welche Unternehmen sich das „Angebot“ der WISTO richten soll, wenn keiner weiß, welche Bedürfnisse die Unternehmen haben und wie diese dann auch umgesetzt werden sollen – die Voraussetzungen zur Ansiedelung von  Betrieben, die in der Forschung und Entwicklung in Zukunftsbereichen tätig  sind, wie Energie und Gesundheit, sind andere als für ein Logistikunternehmen oder die produzierende Industrie.

Dann ist in  Stockerau auch noch zu berücksichtigen, dass in den letzten Jahren sehr viele junge Familien nach Stockerau übersiedelt sind; Stockerau ist inzwischen eine Wohnstadt für diese Pendler geworden. Eine verarbeitende Industrie nach Stockerau zu ziehen, bedarf eines Balanceaktes zwischen Interessen der Industrie wie auch dieser Familien, die Erholung und Ruhe in Stockerau suchen – Stichwort: Lärmbelästigung durch Produktionsprozesse.

Aber um es auf den Punkt zu bringen: Ohne ein tragfähiges Konzept, welche Industrie im Norden die Stadt ansiedeln möchte und angesiedelt werden soll, wird es keine Lösung geben, die tragfähig ist. Basierend auf einem solchen Konzept kann man eine Plattform zwischen ansiedelnden Unternehmen und Bürger_innen schaffen, welche schlussendlich in einer tragfähigen Lösung endet, die ein gemeinsames Miteinander ermöglicht, und auch dazu beiträgt, dass in Stockerau neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die nicht zu einem weiteren Abzug von Unternehmen aus der Innenstadt führen, sondern diese wieder belebt und Geld in die Gemeindekassen bringt, das Stockerau dringend notwendig hat, um Investitionen für die Zukunft tätigen zu können.

Karina Hellbert, NEOS-Kandidatin aus Stockerau

  • Anonymus

    Kann es sein, dass hier das Thema einfach zu kleinräumig diskutiert wird?
    Aus der kleinkarierten Froschperspektive von Stockerau aus gesehen ist das Industriegebiet Nord natürlich weit weg vom Zentrum. Betrachten wir aber Stockerau als Teil von Wien, was es de facto ja ist, wenn man sich die Erwerbs- und Freizeitpendler und auch die wirtschaftliche Verflechtung anschaut, dann sieht man Folgendes:
    Eine höchstattraktive Lage im Agglomerationsraum einer der dynamischsten Städte Europas mit nahezu perfekten infrastrukturellen Voraussetzungen was die Mobilität, Schulen, medizinische Einrichtungen und und und bis hin zum Freizeitwert betrifft.
    Alles immer in Kombination, Interaktion und Koevolution mit der Stadt Wien gesehen.
    Die politisch brisante Frage ist doch: Wie kann Stockerau als Teil dieses Wirtschaftsraumes punkten, an den Entwicklungen teilhaben, ja, sie vorwegnehmen, eine Vorreiterrolle einnehmen und davon für die nächsten
    mindestens Jahrzehnte davon profitieren? NEOS steht für mich für Aufbruch, weitere geistige Horizonte, frische Ideen und neue, mutige Sichtweisen!

  • Markus Betz

    Danke für den Blogeintrag anlässlich meiner Frage zur Standortpolitik der Neos.

    Produktion

    Experience
    Economy und Service Design schön und gut. Aber warum haben wir post industriell
    denkend die Produktion von Waren und Güter in Europa, in Österreich in der
    eigenen Region so rigoros verpönt.

    Es gibt
    Ängste vor Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen, Unterbezahlung
    etc.

    Die Folge
    ist, dass wir sehr viele Produkte aus der Ferne importieren. Verschiebt man
    damit jedoch nicht die Verantwortung in Länder mit vermeintlich geringeren
    Auflagen und Kontrollen. (Konsumentenschutz, Arbeiterkammer, Betriebsräte,
    Umweltschutz etc.) Nur weil wir Umweltschäden und Ausbeutung in z.B.
    Bangladesch nicht sehen heißt es nicht, dass wir sie nicht verursachen. Da
    vertraue ich trotz aller Skandale doch lieber auf europäische Standards.

    Dienstleistungen,
    Unternehmensberatungen, Finanzgeschäfte und Vertrieb von Waren beherrschen
    immer mehr die

    Unternehmensgründungen.
    Doch wo werden dann an der Basis tatsächliche Werte geschaffen?

    Wenn
    finanziell machbar kaufe ich also lieber regional hergestellte Produkte und
    leiste global gesehen damit auch einen Beitrag am Wohlstand in der Region und
    am Umweltschutz.

    Deshalb
    finde ich es wichtig, dass eine traditionelle Industriestadt wie Stockerau innovativ
    und unternehmerisch seine Identität bewahrt bzw. sich wieder darauf
    zurückbesinnt. Im Sinne des Clusterings könnte man sich ja in einer
    Standortstrategie auf einzelne Gebiete spezialisieren (z.B Maschinenbau,
    Umwelttechnik) spezialisieren und langfristig Ausbildungsstätten nach Stockerau
    holen bzw. mit bestehenden Schulen in der Region (z.B HTL Hollabrunn) Kooperationen
    suchen.

    Was es Stockerau bringt:

    Steuereinnahmen

    Gemeinden haben Einnahmen durch Steuern (Grund, Kommunalsteuer), Gebühren und Einkommen aus wirtschaftlichen Betrieben (Gemeindeeinrichtungen wie Hallenbad, Freibad etc.)
    Für jeden Mitarbeiter der in Stockerau arbeit findet muss also Kommunalsteuer an die Gemeinde abgegeben werden.

    Stärkung des Einzelhandels durch mehr Beschäftigte in Stockerau
    Wenn mehr Einwohner auch in Stockerau arbeiten erledigen auch mehr Leute ihre Geschäftsgänge in Stockerau.

    Denn für Wien Pendler ist es leicht ihre Einkäufe gleich an den vielen Einkaufszentren entlang der Hauptverkehrsknotenpunkte zu erledigen.

    • Sagnix

      Alle sagen, dass sie gerne Produkte aus der Region kaufen, nur das Kaufverhalten sieht leider anders aus. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass Österreich seinen Wohlstand darauf baut, dass seine Güter exportiert werden. Also müssen Menschen in anderen Ländern weniger Produkte aus der Region kaufen und diese importieren. Ein Land, das auf Exporte angewiesen ist, sollte auch nicht so zimperlich sein, das Wort „regional“ in einem etwas größerem Zusammenhang zu sehen. Was passiert, wenn wir „regional“ mit aus Österreich und seine Nachbarländern definieren oder gleich mit EU-weit? Denkt doch bitte nicht gar so kleinkariert!

  • Freue mich für euch!

    GRATULATION! RESPEKT!