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Rückblick zur Informationsrunde im Pfarrsaal der Pfarre St. Stephan

14.09.2015 Roman Kuhn

Es war ein fast harmonischer Abend im Pfarrsaal und nur wenige Menschen haben kritische Fragen gestellt. Es wurden Aufrufe zur Mithilfe und zum Spenden getätigt. Ich bin froh, dass die Diskussion so konstruktiv und optimistisch verlaufen ist und dachte, es ist besser die Stimmung nicht mit Detailfragen zu stören, denn die positive Welle werden wir weiterhin benötigen, da mehr Flüchtlinge kommen werden, als uns dies derzeit vorhergesagt wird. Statt einer Gefahr für Amstetten sehe ich Chancen, wenn wir richtige Maßnahmen rechtzeitig setzen. Dies teilt sich in zunächst zwei Phasen auf. Die erste Phase besteht aus der Unterbringung der Asylwerber bis zum Ergebnis des Asylverfahrens. Bei der zweiten Phase geht es um Themen wie Wohnung, Bildung und Arbeit.

Entscheidungen waren dringend notwendig

Bei der Asylfrage hat die Bürgermeisterin zunächst solange zugewartet, bis es nicht mehr ging. Da war die Anfrage der sozialistischen Jugend, warum sie nicht schon früher aktiv wurde, ein Seitenhieb aus den eigenen Reihen. Nun werden im Krisenmodus zwei Containersiedlungen aufgestellt, die durch einen privaten Unternehmer (also mit Gewinnerzielungsabsicht) betreut werden. Wobei Diakonie und andere Freiwillige sich wohl wirklich um die Menschen kümmern werden. Die Auswahl von Unterkünften und weitere Fragestellungen hätte man schon im Frühjahr oder spätestens vor den Sommerferien mit einer speziellen Arbeitsgruppe evaluieren können. In der Informationsrunde wurde die Frage nach einer Koordination gestellt. Es muss festgestellt werden, dass es noch keine gibt. Also sollte dringend eine Person aus dem Rathaus freigestellt werden, um die notwendige Koordination zwischen allen Beteiligten herzustellen. Insgesamt sehe ich noch kein schlüssiges Konzept für Amstetten. Das muss schnell erarbeitet werden, um Hilflosigkeit vorzubeugen. Denn mit der Unterbringung ist es nicht getan. Hoffentlich wird die Zuteilung vom Land so sein, dass die Gruppen, die in einem Container wohnen auch zusammen passen, damit Spannungen (und Polizeieinsätze) vermieden werden. Die Menschen benötigen einen sinnvollen Tagesablauf mit Sprach- und kulturellen Kursen oder auch Hilfsarbeiten z. B bei der Gemeinde. Zusätzlich höre ich schon jetzt den Ruf, dass die Stadt die Schulen unterstützen sollte und private Angebote am Nachmittag finanziert, damit alle Kinder schnell die Landessprache und Kultur lernen, um dem Unterricht folgen zu können. Bildung legt den Grundstein für ein erfolgreiches Leben. Ob in Österreich oder in einigen Jahren vielleicht wieder im Heimatland.

Zukunftskonzept fehlt

Bei der zweiten Phase handelt es sich um die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen. Schon jetzt ist der Wohnraum in Amstetten knapp und die Arbeitsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Es bedarf entsprechenden Anstrengungen, zusätzliche Menschen einzubinden. Dringend wird eine Zukunftsvision benötigt, wie mit anerkannten Neubürgern umgegangen werden soll. Da könnten AMS, Unternehmer und die Stadt ein Pilotprojekt mit Weitblick starten, denn die Vorstellung, dass viele Menschen das Mostviertel nach einigen Monaten wieder verlassen, ist eher unwahrscheinlich. Im Moment erreicht uns beispielsweise die Mittelschicht aus Syrien, mit jungen gut ausgebildeten Akademikern und Arbeitern. Natürlich müssen die Qualifikationen angepasst werden, aber mit den entsprechenden Anreizsystemen und flankierenden Maßnahmen sollte eine Win-Win-Situation möglich sein. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass nicht alle Integrationsprojekte ein Erfolg waren und auf beiden Seiten scheiterten. Wir haben nun die Möglichkeit es besser zu machen.