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Offener Brief: Bildungsoffensive in Niederösterreich. JETZT!

Offener Brief an die Niederösterreichische Landesregierung:
Bildungsoffensive in Niederösterreich. JETZT!

Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau Mikl-Leitner,
sehr geehrte Frau Bildungslandesrätin Teschl-Hofmeister,
sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung!

Nächste Woche starten rund 200.000 Kinder und Jugendliche in Niederösterreich in das neue Schuljahr. Gerade für unsere Erstklässler_innen ist dies meist verbunden mit großer Freude. Voll der Neugier und Lernbereitschaft starten die Kinder ihre schulische Laufbahn. Dann ziehen die Schuljahre ins Land und von der großen Euphorie, Neues lernen zu dürfen, ist oft bald nichts mehr da. Neugierde? Wie weggeblasen.
Am Ende bleibt die dumpfe Reproduktion der in 50 Minuten-Einheiten in die Kinder abgefüllten Lehrpläne für die Testsituation. Abgehakt. Und schon wieder vergessen …

Läuft da nicht etwas gewaltig schief?

Fast ein Viertel der 15-Jährigen in diesem Land können nicht ausreichend sinnerfassend lesen. Diese Kinder werden wenig Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

Wir brauchen endlich eine Bildungswende!

Seit Jahren diskutieren wir über Systeme und Strukturen, aber nicht über unsere Kinder und ihr Können. Die Talente und Fähigkeiten unserer Kinder sollten im Mittelpunkt stehen – frei von dogmatisch festgefahrenen Positionen der verschiedenen politischen Lager!
Wir brauchen Schulen, die unsere Kinder auf die Welt von morgen vorbereiten!
Wir wollen Rahmenbedingungen unter denen unsere Pädagog_innen allen Kindern die Flügel heben können!

Damit dies gelingen kann, fordern wir NEOS die Niederösterreichische Landesregierung unter ÖVP-Führung auf zu handeln! JETZT!

  1. Abschaffung des Sprengelzwanges.
    Eltern und Schüler_innen sollen frei entscheiden können, welche die richtige Schule für das Kind ist – unabhängig vom Wohnort und Good Will der Bürgermeister_innen und Bezirkshauptmannschaften, die derzeit über einen Sprengelwechsel entscheiden.
  1. Mehr Autonomie für die Schulen. Einrichtung von Pionierschulen.
    Schule wird nicht umso besser, je mehr gut gemeinte Vorgaben die Behörde ihr macht. Eine echte, wirksame Bildungswende kommt von unten – getragen von den Bildungsexpert_innen der Praxis. Wenn wir mündige Menschen wollen, dann brauchen wir mündige Schulen mit umfassender Autonomie – pädagogisch, personell und finanziell. Denn die Expert_innen vor Ort wissen am besten was sie brauchen. Die Umstellung auf Vollautonomie der Schulen kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Aber wir können sofort mit dem ersten Schritt beginnen – mit der Einrichtung von öffentlichen Pionierschulen. Diese sollen ab sofort Erfahrungen mit umfassender Autonomie sammeln können.
  1. Lehrpläne ins 21. Jahrhundert bringen.
    Der Fächerkanon in Österreich ist veraltet, der Lehrplan hoffnungslos überladen. Wichtige und zukunftweisende Felder wie Digitalisierung oder unternehmerisches Denken sind hingegen kaum abgebildet. Wir müssen die Lehrpläne entrümpeln und für zukünftige Herausforderungen fit machen sowie fachübergreifende Projekte und die Vermittlung von Soft Skills forcieren.
  1. Unsere Kinder digifit machen.
    Alle reden von digitaler Bildung. Wir NEOS wollen, dass es nicht nur beim Lippenbekenntnis bleibt, sondern diese auch tatsächlich an unseren Schulen umgesetzt werden kann. Grundvoraussetzung hierfür ist die Schaffung der technischen Möglichkeiten – eine leistungsfähige Anbindung unserer Schulen an das Internet sowie frei zugängliches WLAN innerhalb der Schulgemeinde. Die Aus- und Weiterbildung unserer Pädagog_innen ist der zweite wesentliche Schlüssel. Wir NEOS wollen daher wissen, wo die niederösterreichischen Schulen im Bereich der Digitalisierung sowohl technisch als auch inhaltlich stehen und was konkret geplant ist.
  1. Ausbau der ganztägigen Schulformen.
    In Niederösterreich gibt es ganze 11 Ganztagsklassen in verschränkter Form. Das ist ein Armutszeugnis für das von der Frau Landeshauptfrau propagierte „Familien“-Land. Auch dass die NÖ-ÖVP stillschweigend akzeptiert, wenn ihr Kolleg_innen im Bund die für den Ausbau der Ganztagesklassen gewidmeten Gelder (Stichwort „Banken-Milliarde“) nicht wie versprochen in diesen Bereich investieren, zeigt, welchen Stellenwert eine qualitätsorientierte Nachmittagsbetreuung tatsächlich hat. Wir fordern hier ein klares Bekenntnis für ganztägige Schulformen in verschränkter wie auch nicht verschränkter Form – nicht nur im Sinne der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch mit dem Fokus, die Chancen ALLER Kinder zu heben.

Mit diesem offenen Brief fordern wir NEOS die Niederösterreichische Landesregierung auf: Wenn Ihnen die Zukunft unserer Kinder am Herzen liegt, dann starten Sie eine Bildungswende in Niederösterreich. JETZT!

Machen Sie dieses schöne Land auch zu einem Chancenland! Gehen Sie mutig voran und machen Sie unser Land zu einem Vorzeigeland in Sachen Bildung! Heben wir im Miteinander und über alle Parteigrenzen hinweg jedem Kind die Flügel!

Mit kollegialen Grüßen,

Mag. Indra Collini
Landessprecherin / Fraktionsobfrau NEOS Niederösterreich

P.S. Solange das Parteibuch das wichtigste Buch in der Schule bleibt, wird sich wenig bewegen. Wir fordern daher die Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges zum Rückzug der parteipolitischen Einflussnahme aus den Schulen. Der Verzicht unserer Frau Landeshauptfrau auf die Präsidentschaft der Bildungsdirektion wäre ein erster Schritt!

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