5. Pflege

  • Ein modernes Gesundheitssystems mit einer wohnortnahen Versorgung: Eine stärkere Vernetzung sorgt für moderne Versorgungsformen (Gruppenpraxen, Primary Healthcare, integrierte Versorgung, strukturierte Versorgung). „Wohnortnah“ bedeutet im Idealfall eine Versorgung zuhause oder in der Heimatgemeinde. Wir stehen hinter der langjährigen Ansage „ambulant vor stationär“ oder „pflegerisch vor stationär“.
  • Niederösterreich soll in der Gesundheitsversorgung eine Vorreiterrolle einnehmen.
  • Die wohnortnahe medizinische Versorgung kann nur durch den niedergelassenen Bereich sichergestellt werden. Neben den bestehenden Einzelpraxen müssen speziell kooperative Versorgungsformen (Medizinische Versorgungszentren, Gruppenpraxen und Primary-Health-Care-Praxen) stärker gefördert werden. Dank dieser Form entscheiden sich viele Jungärzt_innen eher für den niedergelassenen Bereich.
  • Stärkere Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen. Um die Versorgung von chronisch kranken Patient_innen zu verbessern, wollen wir zunehmend auf international erprobte Versorgungskonzepte (Integrierte Versorgung und Strukturierte Versorgung) setzen. Bestehende Vorreiter-Programme, wie beispielsweise „Therapie Aktiv“ (Diabetiker-Programm) sind zu forcieren.
  • Um die Abstimmung zwischen den Akteuren des Gesundheitswesen zu verstärken und die Behandlungspfade zu beschleunigen setzen wir auf die schnellere Etablierung von e-Health-Systemen (e-Medikation, e-Befundung,…), um die Vorteile von e-Health zu nutzen. Nötig ist jedoch eine verstärkte Datensicherheit, entsprechende Schulungen für die Anwender_innnen und opt-out-Regelungen für die Anwender_innen und Patient_innen.
  • Spezialisierung der Krankenhäuser zur Steigerung der Behandlungsqualität.

Da die wohnortnahe Gesundheits-Grundversorgung ausgeweitet werden soll, treten wir für eine rasche Spezialisierung der Spitäler ein. Dadurch erwarten uns steigende Behandlungsqualität und folglich eine stärkere Wettbewerbsposition gegenüber den Wiener Spitälern.

  • Stärkere Eigenversorgung. In Niederösterreich steht jedes vierte Spitalsbett leer,  während wir dreistellige Millionen-Beträge über den Finanzausgleich an Wien zahlen. Dies ist längerfristig nicht finanzierbar.

Das Ziel ist es deshalb, mittelfristig das regionale Angebot dorthin zu verlagern, wo der Bedarf vorliegt. Dadurch soll die Mitversorgung von Niederösterreich-Patienten in Wien auf 50.000 reduziert werden. Die stärkere Eigenversorgung muss dazu führen, dass die aktuelle Auslastung in den niederösterreichischen Spitälern von knapp 70% (Wien: 80%) den Bundesschnitt (75%) deutlich übersteigt.

Längerfristig soll die Plan-Auslastung aus dem „Regionalen Strukturplan Gesundheit Niederösterreich“ von 85% erreicht werden.

  • Entlastung bei Spitalsfinanzierung: Seit das Land die niederösterreichischen Spitäler zur Gänze übernommen hat, müssen die Gemeinden immer mehr zur Finanzierung beitragen: 2014 € 48.000,–/Spitalsbett (zum Vergleich: Oberösterreich € 31.000,–/Spitalsbett). Dies erreichen wir durch einen bundeseinheitlichen Leistungs- und Kriterienkatalog, einem effizienten Spitalsmanagement und langfristig durch eine Stärkung der Primärversorgung (insbesondere Ambulanzen werden hier entlastet).
  • Wartezeiten bei MRT und CT verkürzen. Die langen Wartezeiten bei MRT- und CT-Untersuchungen sind für Patien_innen nicht hinnehmbar. Ursache ist das sehr restriktive Vorgehen der Kassen bei der Vergütung der Untersuchungen. MRT- und CT-Untersuchungen zählen heute zum medizinischen Standard. Die Restriktionen sind daher eine verfehlte Sparpolitik auf Kosten der Patienten und zu beenden.
  • Freie Kassenwahl für Niederösterreicher_innen. Der Wettbewerb im österreichischen Gesundheitswesen ist sehr schwach ausgeprägt. Niederösterreicher_innen, die in Wien arbeiten, müssen sich zwangsweise bei der Wiener Gebietskrankenkasse versichern. Es ist daher notwendig, dass sich Versicherte mit Bezug zu mehreren Bundesländern (Arbeits- und Wohnort) ihre Kasse aussuchen dürfen. Dies führt u.a. auch dazu, dass bestehende Probleme im Rahmen des Kassen-Finanzausgleichs gelöst werden.
  • Notfallversorgung – Kooperation mit anderen Bundesländern.

Die niederösterreichische Notfallversorgung ist stark verbesserungswürdig. Es ist beispielsweise üblich, dass Schlaganfall-Patienten bei einer Vollauslastung der Schlaganfall-Spezialversorgung (Stroke-Unit) Wiener Neustadt nicht notwendigerweise ins nächstgelegene Krankenhaus in Wien gebracht werden, sondern zur Stroke-Unit Tulln. Notfall-Patienten müssen in das nächstgelegene, geeignete Spital gebracht werden, auch wenn das in einigen Fällen ein oberösterreichisches oder Wiener Krankenhaus ist.

  • Finanzierung aus einer Hand. Aktuell haben wir eine getrennte Finanzierung – Länder zahlen Spitäler, die Kassen den niedergelassenen Bereich – was für Fehlanreize sorgt. Wir plädieren daher für das vorgeschlagene Modell der OÖ Landesregierung, das sämtliche Gesundheitsfinanzierungsverantwortlichkeiten eines Bundeslandes bei der jeweiligen Gebietskrankenkasse bündeln soll. Weniger Bürokratie und eine deutlich bessere Steuerung des niederösterreichischen Gesundheitssystems ist die Folge.
  • Aufwertung der Pflegeberufe. In anderen Ländern sind die Versuche, den Pflegeberuf zu attraktiveren, viel ambitionierter. So wird Pfleger_innen mehr Verantwortung zugestanden, wodurch in vielen Bereichen weniger ärztliche Hilfe nötig ist. Erfolgreiche Beispiele sind Pfleger_innen, die zu kleineren Eingriffen bevollmächtigt sind oder „community nurses“ nach skandinavischem Vorbild.
  • Ambulante Pflege vor stationärer Pflege. In der Pflege muss der eingeschlagene Niederösterreich-Weg (ambulante Pflege vor stationärer Pflege) fortgesetzt werden. Der Ruf nach mehr Pflegeheimen ist definitiv nicht die Lösung. Pflegebedürftige Menschen ziehen es in der Regel vor, zuhause (bei ihrer Familie) gepflegt zu werden, dementsprechend müssen die Angebote ausgeweitet werden.
  • Transparenz bei der Behandlungsqualität

Zwar hat die niederösterreichische Landesregierung in den vergangenen Jahren sehr viel Eigenwerbung bezüglich Behandlungsqualität in den niederösterreichischen Spitälern gemacht, bis jetzt wurde jedoch kein einziger Qualitätsindikator veröffentlicht. Es reicht nicht, dass die Qualitäts-Indikatoren nur für das Benchmarking zwischen den Spitälern verwendet werden. Qualitätswettbewerb kommt erst dann in Schwung, wenn sich Patient_innen informieren können, in welchen Spitälern die beste Behandlungsqualität erbracht wird. Die Veröffentlichung der Qualitäts-Indikatoren wird umso dringlicher, da die Bundes-Qualitätsberichte belegen, dass es zwischen den Spitälern signifikante Qualitäts-Unterschiede gibt.