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Integration braucht Menschlichkeit und Management – Wo steht Amstetten in zwei Jahren?

06.10.2015 Roman Kuhn

Deutschland ist an seine Belastungsgrenze gekommen. Aus den Einrichtungen in unserem Nachbarland werden Schlägereien und von hemmungsloser Überfüllung berichtet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weniger Flüchtlinge weiter legal nach Bayern ziehen dürfen und Österreich zum Stauraum wird. Wer auch immer in Österreich mit martialischen Parolen fordert die Grenzen zu schließen, segelt an der Realität vorbei. Ungarn, dass sich selbst bald komplett einzäunen wird, schafft damit keine Lösung. Menschen die vor Krieg und Elend flüchten, finden neue Wege um nach Österreich zu kommen. Es müssen also dauerhaft in Österreich mehr Unterbringungsmöglichkeiten für Asylwerber geschaffen werden.

Aus den Messehallen in Wieselburg, dem neuen Transitlager, fahren dann keine Busse mehr nach Salzburg und in Amstetten werden möglicherweise weitere Container aufgestellt. Wo die Stadt solche errichtet, wollen Anwohner umfassende und sachliche Information. Was haben die beiden Veranstaltungen zur Containerunterbringung in Amstetten gebracht? Wenig sachliche Aufklärung mit Zahlen wurde gezeigt, sondern Emotionen spielten die Hauptrolle. Auf der einen Seite die Verständnisvollen und Helfer und auf der anderen Seite die Ängstlichen und Verweigerer. Das es auch Menschen dazwischen gibt, die gerne helfen aber auch realistische Einschätzungen erwarten und derzeitige Grenzen der Zivilgesellschaft aufzeigen möchten, wurde vernachlässigt. Die Polarisierung in rot und blau ist wenig hilfreich für eine konstruktive Politik und spielt der FPÖ in die Hände. Amstetten wird blauer, wenn keine Kommunikation mit Zahlen und Fakten auf den Tisch kommt und vor allem aktiv ein Zukunftskonzept erstellt wird, das auch die objektiven Grenzen der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit darstellt. Die Bürgermeisterin zeigt bisher mit ihrer Kommunikationspolitik wenig Geschick. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben, der offensichtlich von oben noch nicht erfasst wurde. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zeigen ihre Auswirkungen bis ins Mostviertel hinein. Da dürfen wir uns bei den vielen Freiwilligen und spontanen Initiativen bedanken, die sofort reagiert haben. Jetzt ist vorausschauendes und aktives Management gefragt. Die Stadt muss nicht nur Unterkünfte bereitstellen und die Kinder der Flüchtlinge beschulen, sondern auch für mehr Deutschkurse sorgen und Wohnungen vorhalten, damit diese Menschen überhaupt die Chance haben, in Amstetten Fuß zu fassen. Weiter braucht es Arbeitsplätze und möglicherweise ist mit kulturellen Konflikten zu rechnen, die ein solcher Zuzug mit sich bringt.

Liebe Bürgermeisterin: Darauf müssen wir uns vorbereiten sonst droht eine Überforderung der städtischen Strukturen.