Primärversorgung muss deutlich ausgebaut werden

07. March 2019

Kollermann: „Die Landesregierung setzt mit der Spitals-Überversorgung auf das falsche Pferd.“

Der „Patient Gesundheitswesen“ steht vor einer Verlegung von der Normal- auf die Intensivstation – davor warnt NEOS-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann: „Die Spitals-Überversorgung in Niederösterreich hat mittlerweile gerade in Kleinstspitälern zu einem eklatanten Ärztemangel und einer Reduktion des Angebots geführt. Es wird Zeit, bei den Lösungen über den Tellerrand zu blicken, anstatt zu versuchen, ein schwer angeschlagenes System mit Rezepten aus der Vergangenheit fortzuführen“, so Kollermann. Die Landtagsabgeordnete warnt zudem vor unabsehbaren Folgen für Patientinnen und Patienten, die durch dieses System drohen würden. So müssten viele Spitäler des Landes laut den Spitalsärzt_innen ein Minimalprogramm fahren, weil das Personal fehle: „Das führt dazu, dass Patientinnen und Patienten länger auf ihre Behandlung warten, zum Ausweichen in andere Bundesländer gedrängt und dadurch längere Wege in Kauf nehmen müssen oder Turnusärztinnen und -ärzte zu Tätigkeiten herangezogen werden, für die sie nicht ausgebildet sind. Da schrillen bei mir alle Alarmglocken.“ Mit einer Anfrage will die Abgeordnete u.a. klären, wie sich die durchschnittliche Wartezeit in den Notfallambulanzen entwickelt hat.
 

Effiziente und effektive Primärversorgung nach nordeuropäischem Modell

Laut Kollermann habe die Strategie der Landesregierung, jedes schlecht ausgelastete Kleinstspital zu erhalten, nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Darüber hinaus gehe sie zu Lasten einer wohnortnahen, ressourcenschonenden niedergelassenen Versorgung. Sie fordert deshalb eine deutliche Stärkung der Primärversorgung in NÖ: „Hier braucht es wesentlich mehr Mut und Anstrengungen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln. In nordeuropäischen Ländern gibt es ein klares Bekenntnis zur Primärversorgung, weshalb ein Großteil der Patientinnen und Patienten im niedergelassenen Bereich versorgt wird, während Spitäler erst nach Überweisung oder bei Notfällen aufgesucht werden. Verglichen mit Niederösterreich kommen skandinavische Staaten aktuell mit einem Drittel der Spitäler und Spitalsaufenthalte aus“, so Kollermann. Außerdem plädiert Kollermann für einen Bürokratieabbau: „Vor allem kleine Standorte kämpfen mit der Aufrechterhaltung des Betriebs. Da bleibt kaum noch Zeit, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.“