Niederösterreich braucht dringend eine Akutgeriatrie

27. November 2019

Kollermann: „Ältere Patientinnen und Patienten finden in den Krankenhäusern keinen adäquaten Ansprechpartner.“

Eine Akutgeriatrie – eine auf die Bedürfnisse von Senioren angepasste medizinische Behandlung und Betreuung – fordert NEOS-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann. „Niederösterreich ist das einzige Bundesland, das keine entsprechende Altersmedizin im Krankenhaus hat. Das halte ich bei den Herausforderungen, die aufgrund einer älter werdenden Gesellschaft auf die Gesundheitsversorgung im Land warten, für ein echtes Versäumnis. Viele Patientinnen und Patienten werden bei altersbedingten Krankheiten ins Spital gebracht, ohne dass dort adäquat auf ihre speziellen Bedürfnisse eingegangen werden kann.“ Dass es insgesamt wenig Bewusstsein dafür in der Landespolitik gebe, seit laut der Gesundheitspolitikerin wenig verwunderlich. „Ein Problembewusstsein gibt es dann, wenn ein Problem erfasst wird. Nachdem es in den Krankenhäusern des Landes teils über Jahre keine altersspezifischen Diagnosen gegeben hat, ist dahingehend natürlich auch nichts dokumentiert worden“, so Kollermann.

Die strukturelle Zusammenlegung von Pflegeheimen und Krankenhäusern, die oft als Argument für das Fehlen der Akutgeriatrie herhalten müsse, könne eine moderne Altersmedizin jedenfalls nicht garantieren, so Kollermann. Das Problem sei nämlich, dass selbst die modernste Klinik nicht auf die Behandlung alter Patientinnen und Patienten ausgerichtet sei. „Überspitzt formuliert haben die Spitäler die Aufgabe, Menschen so schnell wie möglich auf die Beine zu bringen. Diese kurativen Maßnahmen gehen auf direkten Konfrontationskurs mit den Bedürfnissen älterer Patientinnen und Patienten, für die rehabilitative Maßnahmen im Vordergrund stehen müssten. Denn viele von ihnen wollen möglichst lange zu Hause leben und ihre Selbstständigkeit bewahren“, wie die NEOS-Gesundheitssprecherin betont.