NEOS: Planwirtschaft wird Landarztmangel nicht bekämpfen

29. Oktober 2020

Kollermann: „Die Pläne des Landes stopfen Lücken, setzen dem Trend in Richtung Zwei-Klassen-Medizin aber zu wenig entgegen.“

Wenig überzeugt zeigt sich NEOS-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann vom Acht-Punkte-Programm für „Sichere Gesundheit im ländlichen Raum“. Mehr Studienplätze oder die Landarztquote würden – wie die Landarztgarantie – lediglich Lücken stopfen. Junge Menschen per Quote in Landarztpraxen zu zwingen, sei außerdem realitätsfern. „Das ist planwirtschaftlicher Unsinn, der erneut nur die Symptome eines tiefsitzenden Problems lindert, anstatt die Ursache zu bekämpfen. Dasselbe gilt für mehr Studienplätze. Die Politik muss endlich mehr Geld in die Hand nehmen und sich für attraktive Arbeitsbedingungen und eine entsprechende Honorierung von Landärztinnen und Landärzten einsetzen. Wer die Rahmenbedingungen unverändert lässt und lediglich mehr Studienplätze schafft, verstärkt den Abwanderungstrend und bildet letztlich die Ärzte für die Schweiz, Schweden und Norwegen aus.“

Anfragebeantwortung: Wahlarztkosten in NÖ steigen dramatisch

Dass der Hut mittlerweile brenne, würde laut Kollermann der dramatische Anstieg der Wahlarztkosten-Refundierungen in NÖ zeigen. 2010 seien hier 13,6 Mio. Euro, 2019 bereits 24,3 Mio. Euro verzeichnet worden – ein Plus von 78 Prozent. „Das bedeutet, dass immer mehr Menschen für ihre Gesundheit ins eigene Geldbörserl greifen müssen, weil es vielerorts nur mehr Wahlarztpraxen gibt. Und dass sie doppelt zahlen, denn diese Kosten kommen zusätzlich zu den Sozialversicherungsbeiträgen hinzu. Das verstärkt letztlich den Trend in Richtung Zwei-Klassen-Medizin, denn von den Wahlarztkosten werden in Niederösterreich nur 35 Prozent von der Kasse übernommen.“

Kollermann fordert neben der raschen Attraktivierung des Berufsbildes und einer fairen Honorierung eine Finanzierung aus einer Hand. „Derzeit ist das Land für die Kliniken und die Sozialversicherung für den niedergelassenen Bereich zuständig, weshalb Therapien und die Gesamtversorgung nicht aufeinander abgestimmt und zu wenig auf Prävention gesetzt wird. Dabei könne eine Finanzierung aus einem Topf Synergieeffekte heben, mehr Mittel für den niedergelassenen Bereich freimachen und damit für eine gute Gesundheitsversorgung im Sinne aller Patientinnen und Patienten sorgen.“