NEOS fordern 5-Punkte-Plan für die „Baustelle Schulsystem“

06. August 2019

Österreichs Schulen geraten zunehmend unter Druck – und mit Ihnen tausende Schüler_innen, Pädagog_innen und Schulleiter_innen. Es mangelt nicht nur an Geld und Freiheit in der Gestaltung von Schule, sondern auch am Willen, auf die gegenwärtigen Herausforderungen Antworten aus dem 21. Jahrhundert zu finden. NEOS fordern hier endlich konkrete Taten statt schöner Worte und präsentieren fünf Maßnahmen, um das Schulsystem endlich einen großen Schritt weiterzubringen.

1.  Modellregion Niederösterreich mit autonomen Pilotschulen

Lernen und Lehren ist Beziehungsarbeit – zwischen Lehrer_innen und Schüler_innen, Pädagog_innen und Schulleiter_innen oder Eltern und der Schule. Staatliche Bürokratisierung und machtpolitische Misstrauenskultur schaden diesem Vertrauensverhältnis, weshalb wir mehr Freiheit und Verantwortung brauchen. NEOS setzen sich deshalb für personellen, pädagogischen und finanziellen Freiraum ein, damit unser Schulsystem den dringend notwendigen Erneuerungs- und Effektivitätsimpuls bekommt. Die Schulen sollen mehr Entscheidungsspielraum beim Einsatz ihrer finanziellen Mittel oder bei der Auswahl und auch bei der Kündigung von Mitarbeiter_innen bekommen.

2.  Freie Schulwahl für Niederösterreichs Familien

Ebenfalls auf der Liste der Freiheiten und von NEOS NÖ in einen Antrag gegossen: Die Abschaffung des Schulsprengelzwangs. Dieses antiquierte Modell, das die Wahl des Schulbesuchs vom Wohnort abhängig macht, nimmt den Schüler_innen die Chance, frei über ihren Bildungsweg zu entscheiden. Dabei ist es gerade mit Blick auf die neue Schwerpunktgestaltung an unseren Schulen notwendig, dass Eltern und Schüler_innen die Schwerpunkte frei wählen dürfen und sich die Schulwahl an den Talenten der Kinder orientiert.

3.  Chancenboni zur schulischen Bedürfnisbefriedigung

Bildung wird in Österreich nach wie vor vererbt. Welche Bildungskarriere junge Menschen einschlagen, hängt vom Bildungshintergrund der Eltern, nicht aber von den Talenten der Schüler_innen ab. NEOS fordern deshalb ein Zusatzbudget für alle staatlichen und staatlich mitfinanzierten Schulen, um eine soziale Durchmischung zu ermöglichen und um individuelle Herausforderungen bewältigen zu können. Wofür der Chancenbonus verwendet wird, ist Sache der Schulen – so können Lerncoaches bei erhöhtem Förderbedarf und zusätzliche Bewegungsprogramme ebenso finanziert werden wie Schulsozialarbeiter_innen oder Sprachförderprogramme. Letztere sollen die sogenannten Deutschklassen der türkis-blauen Regierung ersetzen, die im Ergebnis wenig überzeugen: So haben trotz Investitionen von 2,5 Millionen Euro allein in Niederösterreich nur vier Prozent der Schüler_innen den Umstieg in den Regelunterricht geschafft, wie eine NEOS-Anfrage ergibt.

Die Finanzierung dieses Vorhabens setzt sich aus einer Subjektfinanzierung (Geld pro Schüler_in) und einer indexbasierten Finanzierung am Schulstandort zusammen. Dadurch ist es möglich, zusätzliche Ressourchen nach sozialen und regionalen Kriterien zuzuteilen und sogenannten Brennpunktschulen mehr Geld zur Verfügung zu stellen.

4.  Breiteres Angebot durch Gleichberechtigung freier Schulen

Während die öffentliche Hand bei konfessionellen Privatschulen rund 80 Prozent der Kosten trägt, sind es bei den nicht-konfessionellen nur zehn bis 20 Prozent. Um dieses Ungleichgewicht zu Lasten der Innovation zu beheben und das österreichische Schulsystem freier und vielfältiger zu machen, müssen nicht konfessionelle Privatschulen den konfessionellen gleichgestellt werden. Mittelfristig ist die Gleichstellung mit öffentlichen Schulen anzustreben und das Schulgeld für öffentlich finanzierte Schulen komplett abzuschaffen. Das würde einen Erneuerungsschub in das Schulsystem bringen, von dem auch die öffentlichen Schulen massiv profitieren können.

5.  Lehrermangel durch vorausschauende Bedarfsplanung bekämpfen

Aus einer NEOS-Anfrage im Bund geht hervor, dass der durch Pensionierungen entstehende Bedarf an Lehrer_innen heuer seinen Höhepunkt erreicht. Fast 3.900 Planstellen müssen nachbesetzt werden, 2025 werden es nur mehr 3.300 Stellen sein, fünf Jahre darauf 2.700. Diese Mangelerscheinungen treten aber nicht nur bei Pädagog_innen, sondern bei vielen weiteren Berufsgruppen in Österreich und Niederösterreich auf. Wir wollen den Lehrer_innenberuf zum wichtigsten Beruf Österreichs machen. Voraussetzung dafür ist aber eine ordentliche Bedarfsanalyse anhand demografischer Daten, um den Erfordernissen eines zukunftsfitten Schulsystems nicht weiter hinterherzuhinken.